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Die religiösen Prozessionen auf Procida,
bei denen man uralte, beinahe heidnische
Riten noch einmal vorüberziehen lässt,
geben, und bis vor ca. zwanzig Jahren war
dies noch stärker ausgeprägt,
eine genaue Beschreibung des Lebens auf
der Insel wieder. Ohne weiteres lässt
sich bestätigen dass es, außer
in den Wintermonaten, von März bis
Oktober ein ständiges Aufeinanderfolgen
solcher Veranstaltungen gibt, in einem inzwischen
zeitlich gefestigten Rhythmus. Neben Prozessionen,
deren Wegstrecke auch heute noch fast das
gesamte Territorium durchquert, wie die
vom Karfreitag, oder die zu Ehren des Hl.
Erzengels Michael, gibt es unzählige
weitere religiöse Prozessionen einzelner
Ortschaften. Den Clou stellt jedoch in jedem
Fall die Prozession zu Ehren des toten Christus
am Karfreitag dar, ein Ereignis, dessen
Vorbereitung in den Monaten vor Ostern für
Tausende von Procidanern einer der Hauptanlässe
zu sozialem Miteinander darstellt.
Die Karfreitagsprozession ist in der Tat
bekannt als jene der „Mysterien“,
wie die plastischen Darstellungen genannt
werden, die Szenen aus dem Leben und vom
Tode Jesu Christi darstellen und von kräftigen
Armen durch die Straßen der Insel
getragen werden.
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Keine der anderen Prozessionen weckt dieselben
Emotionen wie die vom Karfreitag. Die wunderbare
Statue des Inselpatrons San Michele, in
Gold und Silber, wird zweimal im Jahr in
einer Prozession über die Insel getragen:
Am 8. Mai, am Gedenktag der Erscheinung,
welche die Sarazenen von der Insel verjagt
hatte, und am 29. September, nur durch den
Ortsteil Terra Murata. An der Prozession
zu Ehren von San Michele nehmen zahlreiche
Bewohner der kleinen französischen
Stadt La Ciotat teil, die ursprünglich
aus Procida stammen, eine großartige
kleine Gemeinde von Auswanderern, die zunächst
nach Mers El Kebir in Algerien und dann
nach Frankreich gezogen waren, und die immer
mehr die Verbindung mit der Insel und die
Verehrung unseres und ihres heiligen Patrons
bestärkt hat.
Die Organisation des Ereignisses ist der
Bruderschaft der „Gelben“ anvertraut,
die Ende des 19. Jahrhunderts durch Don
Nicola Ricci gegründet wurde.
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Der Monat
Juni dagegen sieht auf der Insel die Prozessionen
des Corpus Domini, jene zu Ehren von Sant’Antonio,
und die der Madonna della Libera vorbeiziehen,
letztere ist vielleicht die traditionsreichste,
sowohl hinsichtlich des Prozessionsweges,
als auch wegen ihrer Durchführung.
Sie ist ein fast bukolisches Fest (Hirtenfest),
das die ländlichen Zonen des Agro,
der Annunziata, von Faro, Cottimo und Pozzo
Vecchio durchquert und eine perfekte Symbiose
aus Göttlichkeit und Natur erschafft.
Im Juli dagegen werden die Madonna delle
Grazie und die Madonna del Carmine gefeiert.
Ersterer wird täglich in der gleichnamigen
Wallfahrtskirche an der Piazza dei Martiri
gehuldigt Das Fest der Madonna del Carmine
hingegen wird am 16. Juli begangen, wobei
sie zunächst feierlich eingekleidet
und dann auf dem Altar der Klosterkirche
San Michele zur Schau gestellt wird, bevor
sie am darauf folgenden Sonntag in einer
Prozession über die ganze Insel getragen
wird und für weitere sieben Tage in
der Kirche della Pietà verbleibt,
zum Gebet und zur Verehrung durch die Gläubigen.
In feierlicher Prozession wird sie nach
einer Woche wieder in ihre Mutterkirche
San Michele zurückgebracht.
Dagegen wird San Giuseppe (der Heilige Josef),
in einer Prozession durch Marina Chiaiolella
getragen. Das Fest klingt mit einem gigantischen
Freudenfeuer aus, zu dem alle Bewohner des
Ortes kleine Äste mitbringen.
Mitunter werden einige religiöse Prozessionen
(San Michele und Madonna delle Grazie) auf
dem Meer abgehalten, wodurch eine sehr suggestive
Atmosphäre geschaffen wird, die einmal
mehr die Verbindung zwischen der Insel und
ihrer Seefahrtgeschichte betont. In der
Tat erzählen alle procidanischen Seefahrer,
an welchem Ort der Erde sie sich auch immer
aufhalten, dass sie am Karfreitag, von einer
verzehrenden Melancholie ergriffen, im Motorengeräusch
ihres Schiffes die Trompetenstöße
der Prozession hören.
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