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Die Sagra del Mare (Fest des Meeres) ist
die folkloristische Veranstaltung par excellence.
Die Procidaner legen sehr großen Wert
darauf, sie machen sie zu ihrer persönlichen
Angelegenheit. Das Fest, das gegen Ende
der Dreißiger Jahre entstand, gliedert
sich in zwei Hauptelemente: Das Meer, welches
für die Procidaner ihr Leben ist, und
ihre Lebensgefahr, und die Frau, die „Graziella“,
deren Name letztlich nichts anderes, als
„Procidanerin“, bedeuten soll.
Von jeher wird dieses Volksfest mit einem
feierlichen Totengedenken an alle Procidaner,
die auf dem Meer gestorben sind, eröffnet;
nach der Messe fährt man mit einer
Bootsprozession aus dem Hafen hinaus. Die
Bootsprozession bildet die Eskorte für
ein Boot, auf dem sich die Autoritäten
der Insel befinden, sowie ein Blütenkranz,
der ins Meer hinaus geworfen wird. Es ist
ein sehr bewegender Augenblick, wenn der
Kranz geworfen wird. Von den umgebenden
Fischkuttern erheben sich Sirenentöne,
wie um jene Procidaner zu grüßen,
oder nach ihnen zu rufen, die es vielleicht
vom Abgrund der Tiefe aus noch hören
können.
Nach sportlichen Wettbewerben, Tagungen,
Feinschmeckerabenden, Ausstellungen und
Auftritten berühmter Sänger findet
schließlich der Umzug der „Graziellas“
statt, das sind Mädchen, die, in historische
Kostüme gekleidet, die Schönheit
Procidas repräsentieren. Graziella
war eine blutjunge Procidanerin, die Heldin
des gleichnamigen autobiographischen Romans
des französichen Schriftstellers Alphonse
de Lamartine von 1849, eines der herausragenden
Vertreter des französichen Romantizismus..
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Was Graziella heute repräsentiert, das bezeugen die
zahlreichen Mädchen, die jedes Jahr
danach streben, den Mythos neu zu verkörpern.
Sie, die alle echte Procidanerinnen sein
müssen, und nicht jünger als 14
Jahre sein dürfen, tragen das alte
und charakteristische Frauengewand der Insel,
in lebhaften und leuchtenden Farben, fein
mit Gold bestickt, von dem noch viele Familien
sorgsam ein Original-Exemplar aufbewahren.
Zur Graziella wird nicht nur einfach die
schönste gewählt, sondern diejenige,
der es am besten gelingt, das Mädchen
voller Leidenschaft, Reinheit und Liebe
darzustellen, wie es von dem französischen
Schriftsteller beschrieben wurde: „
... Graziella hatte große, mandelförmige
Augen, sie hatten jene unbestimmbare Farbe
zwischen Kohlschwarz und dem Blau des Meeres
... eine himmlische Farbe, welche die asiatischen
und italienischen Frauen vom glühenden
Feuer ihrer Sonne, vom heiteren Blau ihres
Himmels, von ihrem Meer und von ihren Nächten
bekommen...“ |
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